Warum wir JETZT etwas tun sollten…

Unsere Welt befindet sich in einer Zeit des Wandels: Viele Herausforderungen stellen sich unserer und kommenden Generationen. Gleichzeitig ergeben sich aus einer zunehmenden Vernetzung und der technischen Entwicklung mannigfaltige Möglichkeiten,  diese Herausforderungen zu bewältigen.

Ich möchte die Herausforderungen hier in 3 große Bereiche einteilen, wobei eine starke Vernetzung und Interdependenz unabdingbar ist:

  • Ökologisch (natürlich)
  • Sozial (gesellschaftlich)
  • Ökonomisch (finanzwirtschaftlich)

auf das entsprechende Bild klicken für mehr Informationen…

Die marinen und terrestrischen Öko- und Klimasysteme unseres Planeten stehen kurz vor kritischen Umschlagpunkten2: Flüsse, Seen und Meere werden zunehmend überfischt, verschmutzt und unterliegen starken Wandel: Die Korallenriffe unserer Meere – Brutkammer und Biodiversitäts-Hotspots – leiden unter dem klimatischen Wandel und werden intensiv beansprucht.3 Andere Lebensräume, wie die Eiswelten der Arktis und Antarktis schmelzen (im wahrsten Sinne des Wortes) vor unseren Augen dahin.4 An Land birgt die immense Dimension von flächendeckender Waldrodung und monokultureller Flächennutzung (teils genetisch modifizierten) über Millionen von Hektar zahlreiche Probleme und die zunehmende Zersiedelung und Flächenversiegelung verändert Wasser- & Stoffkreisläufe.5–8 Zusätzlich sind die Kreisläufe unserer landwirtschaftlichen Systeme massiv gestört, hochgradig technifiziert und über weite Transportstrecken definiert, was wiederum zu einer starken Abhängigkeit von externen Energieträgern führt. Jahrzehnte von Insektizid-, Fungizid- & Herbizid-Einsatz sowie intensive Bodenbearbeitung in industriellem Maßstab haben extreme Einbußen in Bodenfruchtbarkeit9,10 und Biodiversität nach sich gezogen: Wir haben unseren Boden soweit ausgebeutet, dass wir uns, bei einer Fortführung der momentanen industriellen Praktiken, als Gesellschaft nicht mehr ernähren können werden.7,11,12 Die inzwischen omnipräsente Diskussion zum Insektensterben13 ist nur ein kleiner Eindruck des Artensterbens, das überall um uns herum eingesetzt hat.

Unsere industriell ausgenutzte Umwelt muss wieder regeneriert werden. Humusaufbau, Steigerung der Biodiversität und die Korrektur von Wasser- und Nährstoffkreisläufen müssen hohe Priorität haben! Es gilt die Produktivität natürlicher Lebensräume zu bewahren und eine degradierte Ressourcenbasis wiederaufzubauen. Mit der Natur und nicht gegen sie…

In unserer Gesellschaft wächst die Ungleichheit. Immer mehr Menschen verschließen sich vor ihren Mitmenschen und folgen einem zunehmenden „Individualisierung-Wahn“. Gier treibt unser Handeln an und führt oft zu kurzfristig optimierten Entscheidungen oder Ausbeutung, wobei langfristige Wertschöpfung zu kurz kommt und menschliche Beziehungen leiden. Vor allem in unseren Städten kennen sich Nachbarn nur noch selten persönlich und eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen unserer Zeit fühlt sich überfordert. Moderne Beschäftigung/Arbeit wird oft eher als notwendiges Übel gesehen, anstatt persönliche Erfüllung zu bedeuten.14,15 Moderne Automatisierung und Digitalisierung werden in den kommenden Jahren die Strukturen unseres Arbeitslebens weiterhin stark verändern und mit großer Wahrscheinlichkeit viel menschliche Arbeitskraft freisetzen16,17 (– um hier nicht von Massenarbeitslosigkeit zu sprechen). In Folge von Überforderung und Sinnlosigkeit verfallen viele Menschen in Depression oder Lethargie.18,19

Es gilt sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, die persönliche Erfüllung und Entfaltung ermöglichen und faire Einkommens- und Arbeitsverhältnisse gewährleisten. Wir müssen uns als Gesellschaft für eine bewusste und souveräne Gemeinschaft einsetzen und unsere soziale Kohäsion wieder stärken. 

Unsere globalen Finanzsysteme sind marode und begünstigen massiv zunehmende Disparitäten zwischen „arm“ und „reich“.20 Dies geschieht sowohl lokal in kleineren Gesellschaftsstrukturen, als auch global21 und führt zu vielfältigen sozialen Herausforderungen.22,23 Die globalen Finanzströme repräsentieren nur noch abstrakt reale Güterbewegungen und Wertschöpfungen. Geld-, Kapital- und Devisenmarkt sind aus dem Gleichgewicht gefallen und sorgen regelmäßig für massive Korrekturen.24 Viele Unternehmen und Regierungen nehmen immense negative Externalitäten in Kauf, während sie nahezu ausschließlich durch monetäre Werte geprägt und motiviert sind. Die Politik ist oft machtlos oder gar profitierend mitbeteiligt: Umweltverschmutzung, Verdrängung natürlicher Ökosysteme und soziale Ausbeutung sind an der Tagesordnung und werden nur unzureichend adressiert.25–27 „Business as usual“ zielt nicht auf „Win-Win“-Situationen ab, sondern wird vielmehr durch unausgewogene Marktmächte und monetäres Profitdenken zum Vorteil weniger und Nachteil vieler geführt. Märkte sind heute weder fair noch ideal, die traditionelle Marktwirtschaft ist primär wachstums- und profitorientiert und daher so nicht länger tragbar.

Wir müssen Wirtschaftlichkeit neu denken und ein ganzheitliches Wertesystem finden, welches mehr als nur monetäre Profitabilität adressiert. Wir folgen dem Motto: Vom Preis zum Wert!

Im Sinne eines neuen Generationenvertrags muss nachhaltig gewirtschaftet werden. Im Übergang könnten monetär starke Unternehmungen verstärkt ökologisch und sozial fokussierte Projekte fördern, solange dazu sonst nur unzureichende politische Instrumente implementiert sind.

Die konglomerierten Symptome aller drei Teilbereiche zeigen sich bereits in zunehmender Verwüstung, intensiveren Dürren und Flutereignissen, Flächen-Waldbränden, Terrorismus, Massenmigration und Flüchtlingswellen. Fremdenhass, steigende Tendenz zu Depression, Antriebslosigkeit und die Ausbreitung von „Wohlstandskrankheiten“ gehören ebenso zu den systemischen Resultaten.

Die Probleme türmen sich und sind überwiegend vom gleichen, linearen und reduktionistischen Management verursacht. Wir haben bereits das Leben in den Böden und Ozeanen weitgehend ausgelöscht, Tiere und Pflanzen in krank-machende Produktionssysteme gezwängt, die soziale Ungerechtigkeit und den weltweiten Klimawandel begünstigt…

Das betrifft uns ALLE! Generationen nach uns, deine Kinder, ihre Kinder und Kindeskinder, werden eine vermutlich düstere Zukunft haben, wenn wir nicht jetzt Handeln. Es ist dringender als je zuvor etwas zu tun. Wir überschreiten unsere planetaren Grenzen und unterminieren damit unsere eigene Lebensgrundlage.

Das mag sich nun sehr apokalyptisch lesen und klingt nach Hiobsbotschaften oder rein problemgeprägtem Denken – es ist aber wichtig, sich der Probleme zumindest bewusst zu sein, um die Motivation für ein lösungsorientiertes Denken und Handeln zu entwickeln.

  1. Hierbei orientieren wir uns an dem aktuellen Modell der Sozial-Ökologischen System Betrachtung inspiriert durch: Redman CL, Grove JM and Kuby LH. Integrating Social Science into the Long-Term Ecological Research (LTER) Network: Social Dimensions of Ecological Change and Ecological Dimensions of Social Change. Ecosystems 2004; 7.
  2. Steffen W, Richardson K, Rockström J, et al. Sustainability. Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science 2015; 347: 1259855.
  3. Creary M. Impacts of climate change on coral reefs and the marine environment. UN Chronicle 2013; 50: 24–27.
  4. Willis MJ, Zheng W, Durkin WJ, et al. Massive destabilization of an Arctic ice cap. Earth and Planetary Science Letters 2018; 502: 146–155.
  5. Zhang S, Fan W, Yi Y, Zhao Y and Liu J. Evaluation method for regional water cycle health based on nature-society water cycle theory. Journal of Hydrology 2017; 551: 352–364.
  6. Lavelle P, Dolédec S, Sartre XA de, et al. Unsustainable landscapes of deforested Amazonia: An analysis of the relationships among landscapes and the social, economic and environmental profiles of farms at different ages following deforestation. Global Environmental Change 2016; 40: 137–155.
  7. Status of the world’s soil resources: Main report. Rome: FAO; ITPS, 2015.
  8. Elisabeth Raether. Blut und Wasser: Massentierhaltung verpestet Böden und macht das Wasser teuer. Alle schweigen, Hauptsache, das Fleisch ist billig., https://www.zeit.de/2017/25/massentierhaltung-trinkwasser-nitratwerte-preis-fleisch-konsum.
  9. den Biggelaar C, Lal R, Wiebe K and Breneman V. The Global Impact Of Soil Erosion On Productivity; 81: 1–48.
  10. Montgomery DR. Dirt: The Erosion of Civilizations, With a New Preface. 2nd ed. Berkeley: University of California Press, 2012.
  11. Dagmar Dehmer. Massentierhaltung fördert resistente Keime weltweit: Die Zahl der Krankheitserreger, gegen die Antibiotika machtlos sind, steigt. Einer der Gründe ist der Einsatz von Medikamenten in Fleischproduktionen und Legebatterien., https://www.zeit.de/wissen/2014-05/antibiotika-resistenzen-resistente-keime-who.
  12. Niehues P. Massentierhaltung, Fleischkonsum und -produktion: Umweltbezogene Konsequenzen und Aufklärungspflicht der Regierung ; [Studienarbeit]. München: GRIN Verl., 2013.
  13. Hallmann CA, Sorg M, Jongejans E, et al. More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE 2017; 12: e0185809.
  14. David Rotter. Sinnlose Jobs: wie Arbeit die Gesellschaft krank macht, https://www.sein.de/sinnlose-jobs-wie-arbeit-die-gesellschaft-krank-macht/.
  15. Schauberger V. Unsere sinnlose Arbeit. 9. Auflage. Bad Ischl: J. Schauberger Verlag, 2016.
  16. BCG – The Boston Consulting Group. The Global Workforce Crisis: $10 Trillion at Risk, http://www.iberglobal.com/files/The_Global_Workforce_Crisis_bcg.pdf (2014, accessed 24 November 2018).
  17. McKinsey Global Institute. Jobs lost, Jobs gained: Workforce transition in a time of automation, https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/featured%20insights/future%20of%20organizations/what%20the%20future%20of%20work%20will%20mean%20for%20jobs%20skills%20and%20wages/mgi-jobs-lost-jobs-gained-report-december-6-2017.ashx (2017, accessed 24 November 2018).
  18. Sabrina Stallone. Die Jugend von heute ist weitgehend überfordert, https://www.familienleben.ch/kind/jugendliche/jugendliche-heute-2190.
  19. dpa and Augsburger-Allgemeine. Vermehrt Depression bei Jugendlichen: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unerkannt und unbeachtet an Depressionen. Anders als früher sind nicht nur Mädchen, sondern auch immer mehr Buben betroffen., https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Vermehrt-Depression-bei-Jugendlichen-id8040556.html.
  20. dpa and Reuters. Vermögen in Deutschland zunehmend ungleich verteilt: Viele haben nur wenig – einige wenige haben sehr viel: Der Reichtum in Deutschland bleibt laut einer Studie ungleich verteilt. Das Armutsrisiko ist in Berlin am größten., https://www.zeit.de/wirtschaft/2010-01/vermoegen-konzentration-armut (accessed 24 November 2018).
  21. FAZ.net. „Kluft zwischen Arm und Reich gewachsen“, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oecd-studie-kluft-zwischen-arm-und-reich-gewachsen-1636349.html (accessed 24 November 2018).
  22. Inga Michler. 1,2 Milliarden Menschen haben nur 1,25 Dollar am Tag, https://www.welt.de/wirtschaft/article130533421/1-2-Milliarden-Menschen-haben-nur-1-25-Dollar-am-Tag.html (accessed 24 November 2018).
  23. Stefan von Borstel and Martin Greive. Kluft zwischen Arm und Reich schadet Wachstum, https://www.welt.de/wirtschaft/article135156309/Kluft-zwischen-Arm-und-Reich-schadet-Wachstum.html (accessed 24 November 2018).
  24. Weik M and Friedrich M. Kapitalfehler: Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen. Vollständige Taschenbuchausgabe, 2017.
  25. Weik M and Friedrich M. Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. 3., durchges. Aufl. Marburg: Tectum-Verl., 2013.
  26. Henze A, Kämmerer S and Schmitz PM. Die monetäre Bewertung positiver und negativer externer Effekte der Landwirtschaft — Erfahrungen und Perspektiven: 473–501.
  27. Sturm B and Vogt C. Marktversagen Marktversagen durch externe Effekte: 15–36.

Dank für die, in den Collagen verwendeten, Bilder geht unter der CC Creative Commons Lizenzisierung an:
Pixabay – https://www.pexels.com/de-de/foto/kinder-roter-schal-schule-schuler-159858
_Marion – https://pixabay.com/en/desert-drought-composing-dehydrated-279862/
National Park Service – https://www.nps.gov/common/uploads/stories/images/nri/20161121/articles/59A62A64-1DD8-B71B-0B146768265A6448/59A62A64-1DD8-B71B-0B146768265A6448.jpg
Jochen Zick / action press – https://www.flickr.com/photos/bankenverband/9930777015
AbirRoy, “Alter Mann” – https://pixabay.com/de/alter-mann-inder-armer-mann-3548098/
Geralt, “Verzweiflung” – https://pixabay.com/de/verzweiflung-allein-alleinsein-513528/
Bruce Mars, “Woman holding shopping bags” – https://www.pexels.com/photo/woman-holding-shopping-bags-972887/
Jörg Schubert, “the best place to be is somewhere else” – https://www.flickr.com/photos/tinto/29758197663
Dikshajhingan, Effects of Deforestation – https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b9/Deforestation_2074483b.jpg

Jetzt weiterlesen: