Regenerative Weidewirtschaft

Regenerative Weidewirtschaft beschäftigt sich mit einer Form der agrar-ökologisch integrierten Tierhaltung. Dabei werden Tiere auf der Weide wieder als Teil des Ökosystems betrachtet und tragen durch ihr natürliches Verhalten zur Verbesserung des Grünlands bei.

Die Methoden der Regenerativen Weidewirtschaft lassen sich sowohl management-intensiv oder auch extensiv umsetzen.  In jedem Fall erfordern sie eine sorgfältige Beobachtung und zunehmendes Verständnis über die Zusammenarbeit zwischen Bodenleben, Pflanzen, Tieren und Bewirtschaftern.

Es gibt unterschiedliche Ansätze, die aber im Kern den gleichen, natürlichen Mustern folgen.

Dazu ist es wichtig, sich zunächst mit den natürlichen Prozessen im Grünland auseinanderzusetzen und die Zusammenhänge des Systems zu verstehen.

Die beobachteten Prinzipien werden dann in einer agrar-ökologische angepassten Produktion umgesetzt, wozu wiederum bestimmte Management-Prinzipien in die operative Praxis integriert werden. (Siehe Abbildung rechts)

Leider ist die Grundlagenforschung zu den ökologischen Prinzipien im Grünland in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten, sodass die Pionierarbeiten von Andre Voisin und Ernst Klapp (1950-60ger Jahre; z.B. Voisin und Worstell 1957 und Voisin 1962) immer noch essentielle Prinzipien präsentieren.

Ein entscheidender Aspekt ist es, sich bewusst zu machen, dass Graspflanzen sich in Co-Evolution mit Grasfressern entwickelt haben. In natürlichen Grasland-Ökosystemen bewegen sich in der Regel große Herden von Wiederkäuern (oft in diversifizierten Weidegemeinschaften) stetig von Ort zu Ort auf der Suche nach neuen Weidegründen.

Links Beweidung nach dem Vorbild der Natur; Kurze Aufenhaltsdauer, hohe Besatzdichte - eigenes Foto gemacht auf dem Scheuerhof 2019; Oben: Große Gnu-Herde in der Serengeti im natürlichen Migrationsverhalten.

Die Tiere sind in diesen Herdenverbänden dabei oft dicht beieinander, um sich gegen Raubtiere zu schützen (Herdenschutzeffekt). Dabei “verunreinigen” sie die eigenen Futtergründe mit ihren Fäkalien und trampeln einen Teil des Graslandes herunter. Diese Verunreinigung ist jedoch ein wichtiger Dünger für die Graspflanzen und das Bodenleben, sodass sich – wenn es eine ausreichende Pause zwischen dem Verbiss der Pflanze und der Rückkehr der Herde gibt – die Vitalität der Pflanzen steigern kann. Auch das Niedertrampeln von Grasbeständen hat mehrere positive Nebeneffekte, zu denen u.a. der Mulch-Effekt zählt, der die Bodenverdunstung reduziert und das Bodenleben ebenfalls nährt. Natürlich sind die Zusammenhänge weitaus komplizierter und für nähere Ausführung der Ökologischen Prinzipien & einer feineren Nuancierung verweisen wir an dieser Stelle auf die Masterarbeit von Hannes oder die weiterführende Literatur am Ende der Seite.

Prinzipiell lassen sich aber auf Grundlage der kurz-umrissenen Prinzipien folgende Management Ziele und Operative Handlungen definieren:

Für eine Visualisierung des Ganzen, haben wir hier zwei kurze Videos verlinkt. Leider sind beide auf Englisch, aber wir sind selber noch nicht dazu gekommen, deutsche Inhalte zu diesem Thema zu produzieren.

Hannes Höhne hat seine Masterarbeit über “Regeneratives Weidemanagement und die Integration von Weidefedervieh” verfasst. Die entsprechende Veröffentlichung wird bald hier verfügbar sein.

Weiterführende Literatur & Empfehlungen:

Brown, Gabe (2018): Dirt to soil. One family’s journey into regenerative agriculture. White River Junction, Vermont: Chelsea Green Publishing.

Flack, Sarah; Karreman, Hubert J. (2016): The art and science of grazing. How grass farmers can create sustainable systems for healthy animals and farm ecosystems. White River Junction, Vermont: Chelsea Green Publishing.

Gerrish, Jim (2010): Kick the hay habit. A practical guide to year-around grazing. Ridgeland, Miss.: Green Park Press.

Idel, Anita (2012): Die Kuh ist kein Klima-Killer! Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können. 4., durchges. Aufl. Marburg: Metropolis-Verl. (Agrarkultur im 21. Jahrhundert).

Savory, Allan; Butterfield, Jody (2016): Holistic management. A commonsense revolution to restore our environment. Third edition. Washington, Covelo, London: Island Press.

Voisin, Andre C. (1962): Die Kuh und ihre Weide. München: BLV Verl.-Ges. Bayer. Landwirtschaftsverl.

Voisin, Andre C.; Worstell, Robert (1957): Grass Productivity. An introduction to rational grazing. Republished 2015: Island Press.

Williams, A. R. (2018): Adaptive High Stock Density Grazing. Pasture Project – Fact Sheet. Hg. v. Pasture Project. Wallace Center.

Wissenschaftliche Arbeiten zum Thema:

Allard, V.; Soussana, J.-F.; Falcimagne, R.; Berbigier, P.; Bonnefond, J. M.; Ceschia, E. et al. (2007): The role of grazing management for the net biome productivity and greenhouse gas budget (CO2, N2O and CH4) of semi-natural grassland (121).

Bengtsson, J.; Bullock, J. M.; Egoh, B.; Everson, C.; Everson, T.; O’Connor, T. et al. (2019): Grasslands-more important for ecosystem services than you might think. In: Ecosphere 10 (2), e02582. DOI: 10.1002/ecs2.2582.

Benot, Marie-Lise; Morvan-Bertrand, Annette; Mony, Cendrine; Huet, Julia; Sulmon, Cécile; Decau, Marie-Laure et al. (2018): Grazing intensity modulates carbohydrate storage pattern in five grass species from temperate grasslands. In: Acta Oecologica. DOI: 10.1016/j.actao.2018.11.005.

Briske, D. D.; Sayre, Nathan F.; Huntsinger, L.; Fernandez-Gimenez, M.; Budd, B.; Derner, J. D. (2011): Origin, Persistence, and Resolution of the Rotational Grazing Debate. Integrating Human Dimensions Into Rangeland Research. In: Rangeland Ecology & Management 64 (4), S. 325–334. DOI: 10.2111/REM-D-10-00084.1.

Broadbent, T. S.; Bork, E. W.; Willms, W. D. (2018): Divergent effects of defoliation intensity and frequency on tiller growth and production dynamics of Pascopyrum smithii and Hesperostipa comata. In: Grass Forage Sci 73 (2), S. 532–543. DOI: 10.1111/gfs.12318.

Domínguez, Erwin; Oliva, Gabriel; Baez, John; Suarez, Angel; Pérez Castillo, Claudio (2019): Effects of holistic grazing on structure and composition of naturalized prairies under livestock grazing, provincia de Última Esperanza, Magellan region, Chile. In: Anales del Instituto de la Patagonia 46(3), S. 17–28.

Idel, Anita (2012): Die Kuh ist kein Klima-Killer! Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können. 4., durchges. Aufl. Marburg: Metropolis-Verl. (Agrarkultur im 21. Jahrhundert).

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Saunders, W. Carl; Fausch, Kurt D. (2007): Improved Grazing Management Increases Terrestrial Invertebrate Inputs that Feed Trout in Wyoming Rangeland Streams. In: Transactions of the American Fisheries Society 136 (5), S. 1216–1230. DOI: 10.1577/T06-260.1.

Soussana, Jean-François; Lemaire, Gilles (2014): Coupling carbon and nitrogen cycles for environmentally sustainable intensification of grasslands and crop-livestock systems. In: Agriculture, Ecosystems & Environment 190, S. 9–17. DOI: 10.1016/j.agee.2013.10.012.

Tang, Shiming; Wang, Kun; Xiang, Yangzhou; Tian, Dashuan; Wang, Jinsong; Liu, Yanshu et al. (2019): Heavy grazing reduces grassland soil greenhouse gas fluxes. A global meta-analysis. In: The Science of the total environment 654, S. 1218–1224. DOI: 10.1016/j.scitotenv.2018.11.082.

Teague, Richard (2014): Deficiencies in the Briske et al. Rebuttal of the Savory Method. In: Rangelands 36 (1), S. 37–38. DOI: 10.2111/1551-501X-36.1.37.

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Teague, Richard; Provenza, Fred; Kreuter, Urs; Steffens, Tim; Barnes, Matt (2013): Multi-paddock grazing on rangelands. Why the perceptual dichotomy between research results and rancher experience? In: Journal of environmental management 128, S. 699–717. DOI: 10.1016/j.jenvman.2013.05.064.

Wang, Tong; Richard Teague, W.; Park, Seong C.; Bevers, Stan (2018): Evaluating long-term economic and ecological consequences of continuous and multi-paddock grazing – a modeling approach. In: Agricultural Systems 165, S. 197–207. DOI: 10.1016/j.agsy.2018.06.012.