Regenerative Landwirtschaft

“Regenerative Landwirtschaft” -inzwischen taucht der Begriff auch im Deutschen immer häufiger auf.

Doch was ist Regenerative Landwirtschaft?

Sie ist zuerst einmal vielseitig und durch eine enorme Vielzahl von Ansätzen schwer zu definieren. Wie jedes Kulturkonzept, entwickelt sie sich dynamisch zusammen mit der Gesellschaft, die sie lebt und praktiziert.

Es gibt im Netz einige Definitionsansätze, doch viele bleiben in der Zielsetzung sehr einseitig.

Zunächst wird ein oft verwendeter Definitionsansatz aus dem Englischen übersetzt, der von Terra Genesis International entwickelt wurde und die meisten Aspekte sehr gut adressiert:

Regenerative Landwirtschaft ist ein System von Anbaumethoden und Prinzipien, welches Biodiversität erhöht, Böden anreichert, Wasserkreisläufe verbessert und die Leistung von Ökosystemen erhöht.

Regenerative Landwirtschaft zielt darauf ab, CO2 als Kohlenstoff im Boden und in bodennaher Biomasse anzureichern. Damit kehrt sie den gegenwärtigen globalen Trend der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre um. Gleichzeitig erwirtschaftet sie höhere Erträge, bietet Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel sowie bessere Vitalität und Gesundheit für ländliche Gemeinden.

Dieses System schöpft aus den Quellen jahrzehntelanger wissenschaftlicher und angewandter Forschung globaler Gemeinschaften, die Bioanbau betreiben, der Agrarökologie, dem Holistischen Management, der Agroforstwirtschaft und der Permakultur. […] Mit der Definition sind wir erst am Anfang. Wir heißen einen globalen Dialog willkommen, dies weiterzuführen, zu entwickeln und zu verbessern. So können wir den Klimawandel umkehren und den Planeten regenerieren.“

Terra Genesis International

Auch aus dem deutschsprachigen Raum ist ein umfassender Definitionsversuch bei Hellmut von Koerber (von fleXinfo) nachzulesen.

Um es “kurz” zu halten werden, nach vielen Diskussionen und zahllosen Stunden des Grübelns, folgende Grundsätze formuliert und in der Grafik links dargestellt, wobei diese Formulierungen als Diskussionsgrundlage dienen sollen und keinen Anspruch auf umfassende Gültigkeit haben.

  1. Regenerative Landwirtschaft erfolgt in einer ganzheitlichen Systembetrachtung und arbeitet nach agrar-ökologischen, integrierten Produktionsmustern.
  2. Die Systemvielfalt und die Ressourcenbasis sollen regeneriert bzw. wiederaufgebaut werden.
  3. Es gibt gemeinsame Leitsätze die ethischen Grundwerte und ein gemeinsames Wertesystem definieren.

Ziel sind in der Folge Produktionssysteme die Vielfalt, Fülle und Vitalität für Boden, Pflanze, Tier und Mensch bieten.

Im Detail lassen sich folgende Ansätze festhalten:

  • Regenerative Landwirtschaft erzeugt hochwertige Lebensmittel sowie weitere Naturprodukte (z.B. Faser- und Energiestoffe) ohne dabei die natürliche Ressourcenbasis zu degradieren.
  • Dabei werden verschiedenste Praktiken und Methoden aus vielen Jahrzehnten Forschung und Praxis genutzt und kombiniert eingesetzt. Ganzheitliche Lernprozesse sorgen für standortgerechte Anpassung der einzelnen Ansätze.
  • Hauptaugenmerk ist die dabei Regeneration von Böden, Wasser- und Nährstoff-Zyklen sowie die Förderung der Biodiversität. Zusätzlich können sozio-ökonomische Aspekte mit einbezogen und die Solidarität und Regionalität verstärkt berücksichtigt werden.
  • Maximierung des eigenen Know-hows und Ausbildung einer ganzheitlichen Betrachtungsweise sind wichtig, um den gesellschaftlichen Bedürfnissen nach Nahrung, Bau- und Faserrohstoff, medizinischen Wirkstoffen oder nachwachsenden Energieträgern entgegen zu kommen, ohne dabei den Boden und das Agrar-Ökosystem zu schädigen.
  • Der gezielte Aufbau von Humus (CO2 Speicherung im Boden) sowie der bewusste Umgang mit fossilen Energieträgern und die Achtung natürlicher Prozesse reduzieren die anthropogene Klimagasbelastung. Regenerative Landwirtschaft trägt somit massiv zum Klimaschutz bei.
  • Sich leicht verknappende, externe Produktionsmittel (z.B. synthetische und mineralische Dünger, Pestizide, Herbizide) werden durch intensivierte Lebensprozesse in vielfältigen, lokal vernetzten, hochproduktiven Agrar-Ökosystemen substituiert. Damit steigt die System-Resilienz und die Versorgungssicherheit und Gesundheitsfürsorge werden verbessert.
  • Regenerative Landwirtschaft transformiert Landwirtschaft vom Ressourcenverbraucher zur dauerhaften Ressourcenquelle. Sie ist essenzieller Bestandteil und Voraussetzung für eine Regenerative Gesellschaft.
„Ziel einer Regenerativen Landwirtschaft ist der Wiederaufbau und dabei ist Nachhaltigkeit nicht genug: Den Status quo halten, wenn bereits seit Jahrzehnten Raubbau betrieben wird - sei es an den sozialen oder den natürlichen Systemen - ist für eine lebenswerte Zukunft nicht mehr ausreichend!“
Einfach Erden
Hannes Höhne

Die folgenden Kacheln geben eine Übersicht über verschiedene Praktiken, aus denen sich die betriebliche Aufstellung einer Regenerativen Landwirtschaft zusammensetzen kann (eine umfassendere Liste finden Sie weiter unten auf der Seite).

Betriebe/Projekte können sich fokussieren, um einzelne Konzepte zu verfolgen und als Kernkompetenz aufzubauen oder im Sinne einer integrierten Produktion ggf. in Projektgemeinschaften mehrere Praktiken kombinieren und Synergie-Effekte nutzen:

Agroforstsysteme

  • Silvoarable Systeme
    • B. Alleycropping, Heckenwirtschaft
  • Silvopastorale Systeme
    • Alleygrazing, beweidete Streuobstwiesen, Hutewälder
  • Waldgärten & Nahrungswälder

Tierhaltung

  • Regenerative Weidewirtschaft
    • Portionsbeweidung, Mobgrazing, Ganzheitliches Weidemanagement
    • Multy-Species Grazing, Lead-Follow Grazing
      • B.: Mobilstallhaltung, Mutterkuhhaltung
    • Integrierte Aquakulturen

Regenerative Feldwirtschaft

  • Ackerbau
    • geplante Fruchtfolgen, Unter- & Zwischensaaten,angepasste Bodenbearbeitung (no-till, minimale Bodenbearbeitung), Gründüngung, Kompost-Tee & Fermente
  • Mulch-Systeme
    • Transfermulch, Lebendmulch
  • Mehrjährige Sonderkulturen

Urbane Landwirtschaft

  • Stadt- & Gemeinschaftsgärten
  • Nutzbare Fassadenbegrünung
  • Biologisch basierte Vertikalkonzepte

Pilz & Algenzucht

Integrierte Systeme & Übergreifende Prinzipien

  • SSDRF (Small-Scale Diversified Regenerative Farming) Practices
  • Keyline Design
  • Ganzheitliches Management
  • Permakultur
  • Biologische und Bio-dynamische Landwirtschaft