Permakultur

„Permakultur ist das bewusste Design sowie die Unterhaltung von landwirtschaftlich produktiven Ökosystemen, die die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Die Philosophie hinter Permakultur ist eine Philosophie, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet, eine Philosophie der fortlaufenden und überlegten Observation und nicht der fortlaufenden und gedankenlosen Aktion; sie betrachtet Systeme in all ihren Funktionen, anstatt nur eine einzige Art von Ertrag von ihnen zu verlangen. Sie erlaubt Systemen ihre eigene Evolution zu demonstrieren.“

– Bruce Charles “Bill” Mollison (1928-2016)

Permakultur ist ein in den 1970ger Jahren entwickeltes Konzept, seit einigen Jahren zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung rückt.

1978 von den Australiern Bill Mollison & David Holmgren erstmals als Konzept formuliert und publiziert, verbindet Permakultur zunächst die Begriffe “permanent” und “agriculture” (permanente Landwirtschaft) und zielt auf die Entwicklung und Erhaltung naturnaher, mehrjähriger Landwirtschaftssysteme ab. Ursprünglich als Gegenkonzept zur “Grünen Revolution” und der zunehmenden, ressourcenintensiven Industrialisierung der Landwirdschaft formuliert, hat sich Permakultur in den letzten Jahrzehnten zu einer umfassenden Disziplin entwickelt und beschränkt sich längst nicht mehr nur auf landwirtschaftliche Praktiken: Inzwischen werden in den verschiedenen Ausprägungen der Permakultur alle größeren gesellschaftlichen Bereiche, wie Landschafts- und Siedlungsplanung, Finanzwirtschaft, Energieversorgung, Transport, verschiedene Produktionsmethoden & Sozialstrukturen adressiert. Prinzipiell lässt sich zusammenfassen, dass Permakultur ein ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiges Leben anstrebt.

Auch, wenn die Ausprägungen und Praktiken heute mannigfaltig sind und verschiedene Praktiker eigene Adaptionen verwenden, lassen sich gemeinhin drei ethische Grund- und einige Leitsätze definieren, aus denen sich 12 Designprinzipien ableiten.

Folgendes präsentiert nur eine kurze Zusammenfassung. Für mehr Informationen wird auf weiterführende Literatur und Internetquellen weiter unten verwiesen.

Die Basis der Permakultur-Ethik:

Earthcare - Achtsamer Umgang mit der Umwelt: Erde
Permakulturelles Handeln zielt auf den bewussten und behutsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen ab. Die natürliche Umwelt stellt die Lebensgrundlage für alle Wesen auf diesem Planeten dar und wird nicht als selbstverständlich gesehen. Design ist achtsam und nachhaltig, wenn Stoff- und Energiekreisläufe der lebenserhaltenden Systeme bewusst und langfristig beachtet werden.
Peoplecare - Achtsamer Umgang mit der Umwelt: Mensch
Der soziale Aspekt der Permakultur beinhaltet das Recht auf Freiheit und die Pflicht der Verantwortung. Jeder hat das Recht auf eine frei gestaltbare Nutzung der Lebensgrundlage, wobei eine Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen geschaffen werden muss. Es wird die ethische Forderung nach sozialer Gerechtigkeit gestellt und jedem Menschen soll das gleiche Recht auf Zugang zu einer natürlichen Lebensgrundlagen gegeben werden.
Fairshare - Selbstbegrenzung für Wachstum und Konsum, gerechte Überschussverteilung
Dieses Prinzip lässt sich als ökonomische Komponente der Permakultur begreifen und ergibt sich aus der begrenzten Belastbarkeit und Regenerationsfähigkeit der natürlichen Systeme. Wir müssen lernen, den eigenen Konsum und das eigene Wachstum über eine zukunftsfähige Selbstbegrenzung zu regulieren. Es gilt Selbstbegrenzung und Überschussverteilung in alle Aspekte des täglichen Lebens mit zu übernehmen. Fairshare ist die Vereinigung der beiden vorangegangenen Ethiken und bildet einen übergeordneten gesellschaftlichen Handlungsrahmen.

Design-Prinzipien (nach Holmgreen, 2011 mit eigenen Erläuterungen und Ergänzungen):

Anmerkung: Für einige der Design-Prinzipien habe ich weiterführende Literaturempfehlungen mit aufgeführt.

1 - Observe and Interact - Beobachte und interagiere
Natürliche Prozesse (und auch gesellschaftliche Prozesse) sind komplex & adaptiv. Eine sorgfältige Beobachtung der systemischen Abläufe ist Voraussetzung für ein gutes Design und eine nachhaltige Interaktion mit den Systemelementen. Jede Handlung muss mit allen Sinnen beobachtet und gegebenfalls angepasst werden. Beobachte nicht nur die Umgebung, sondern auch dich selbst. Fokussiere nicht das Detail sondern erkenne übergeordnete Muster.
2 - Catch and Store Energy - Sammle und speichere Energie
Der bewusste Umgang mit Energie ist essentiell und muss in angebrachter Form erfolgen. Energieformen sind mannigfaltig, wobei die Sonne eine der wichtigsten Energiequellen darstellt. Energiekonvertierung (z.B. Sonnenenergie zu Biomasse) erfordert großes Augenmerk auf Wasserverfügbarkeit & -kreisläufe, fruchtbaren Mutterboden & genetische Diversität. Ziel ist unter anderem die Abhängigkeit von externen, endlichen Energieträgern zu reduzieren.
3 - Obtain a Yield - Erziele eine Ernte
Die Produktivität der Systeme wird nicht nur an dem Ertrag für einen selbst gemessen. Die Ernte wird stets mit der Gemeinschaft & Umwelt geteilt. Nutze, was du hast. Nimm nur, was du brauchst. Sei achtsam. Beachte den Wert der nicht-monetären Erträge und deiner eigenen Zeit. Die Errichtung ertragreicher Systeme wird sicher reproduziert & erfolgreiche Systeme werden sich langfristig durchsetzen.
4 - Apply Self-regulation and Accept Feedback - Arbeite mit Selbstregulationsprozessen und akzeptiere Rückmeldungen
Es gilt systemische Grenzen zu erkennen und die natürlichen Regulierungsprozesse zuzulassen. Natürliche Regulierung erhöht Resilienz: Jedes System hat Grenzen. Systemreaktionen auf Veränderungen zeigen diese Grenzen an. Es gibt produktive Feedbackschleifen, die zu größerer Widerstandsfähigkeit und/oder Produktivität führen können – erkenne und nutze diese. Je weniger aktiv in ein System eingegriffen wird, umso kleiner ist die Wahrscheinlichkeit unbeabsichtigte negative Auswirkungen zu produzieren.
5 - Use and Value Renewable Resources – Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen
Der behutsame und produktive Umgang mit erneuerbaren Ressourcen (Sonne, Wind, Wasser, Biomasse) ist Grundlage für gutes Design. Gleichzeitig ermöglicht gutes Design den Einsatz fossiler/nicht-erneuerbarer oder regionsfremder Ressourcen zu verringern.
6 - Produce No Waste – Abfallvermeidung
In natürlichen Systemen gibt es keinen Abfall. Nimm dir ein Beispiel an dieser natürlichen, steten Wiederverwertung. Vermeide Abfall aus naturfernen Systemen und arbeite mit dem Vermeidungszyklus der zirkulären Ökonomie: refuse, reduce, reuse, repair, recycle (dt. verzichten, vermindern, wiederverwenden, reparieren, recyceln).
7 - Design from Patterns to Details – Arbeite vom Großen zum Kleinen
Ein erfolgreiches Design erfordert ein Grundverständis über die übergeordneten Muster in der Natur. Beobachte und adaptiere gemäß dem natürlichen Muster. Geh einen Schritt zurück und betrachte das Gesamtbild, gehe vom großen Ziel über kleinere Schritte zur Umsetzung. Die geplanten oder benötigen Bestandteile eins Projekts berücksichtigen die natürlichen Muster und den größeren Rahmen. Siehe auch: “Über Wachstum und Form”, D’Arcy Wentworth Thompson, 1913
8 - Integrate Rather than Segregate – Integriere, statt zu trennen
Fördere die Kooperation vielfältiger Elemente und Gemeinschaften, statt einzelne Systemelemente zu isolieren oder dich auf Konkurrenz untereinander zu fokussieren. Synergieeffekte entstehen im Rahmen der Integration. Am Ende entsteht in der Summe des Ganzen mehr als in der Summe aller einzelnen Teile. Siehe auch: Heftreihe “Synergie – Syntropie – nichtlineare Systeme”, versch. Autoren 1995-20018; http://www.synatech.de/PubReihe/PubReihe.html
9 - Use Small and Slow Solutions – Nutze kleine und langsame Lösungen
Kleine und langsame Ansätze sind in komplexen Systemen leichter nachzuvollziehen, ihre Auswirkungen einfacher zu beobachten. Der Systemeingriff ist minimal und erlaubt somit effektiver systeminterne Reaktionen. Mit der leichteren Überschaubarkeit und kleinen gezielten Einsätzen ergibt sich eine langfristig höhere Effizienz als mit großen Eingriffen, die oft hohen Energie- und Zeiteinsatz benötigen und in häufiger Übersteuerung korrigiert werden müssen. Siehe auch: “Small is beautiful: Die Rückkehr zum menschlichen Maß”, Ernst Friedrich Schumacher, 1973
10 - Use and Value Diversity - Nutze und schätze Vielfalt
Erhalte und fördere, wenn möglich, die Vielfalt von Elementen in Systemen. Durch Vielfalt wird die Ausfallsicherheit und somit die Resilienz eines Systems erhöht und langfristig die Fähigkeit zur Selbstorganisation gefördert.
11 - Use edges and value the marginal – Nutze Randeffekte, schätze das Marginale
Die Permakultur erkennt den Reichtum und die Vielfalt, somit auch die Bedeutung von Randzonen (Randzonen bilden sich im Systemübergang) und nutzt diese aktiv. Größere Randzonen bedeuten mehr Kontaktraum und somit mehr Interaktions- & Anpassungsmöglichkeiten.
12 - Creatively Use and Respond to Change – Reagiere und nutze Änderungen kreativ
Es gibt keine statischen Systeme. Jedes System ist stets im Wandel und die Permakultur nutzt diesen natürlichen Wandel, indem Naturkreisläufe und Sukzessionsfolgen flexibel und adäquat adressiert werden.
Akteure (deutschsprachig):

Organisierte Projektüberischt – permakultur-info.de
Permakultur Deutschland e.V. – permakultur.de
Permakultur in der Schweiz – permakultur.ch

 
Weiterführende Literatur & Empfehlungen:

Literatur (deutsch):
Permakultur kurz und bündig. Schritte in eine ökologische Zukunft; Patrick Whitefield,
Permakultur Praktisch, Graham Bell
Das große Handbuch Waldgarten, Patrick Whitefield
Sepp Holzers Permakultur, Sepp Holzer
Gärtnern im Biotop mit Mensch , Gerda Kleber & Eduard W. Kleber

Literatur (englisch):
Permaculture in a Nutshell, Patrick Whitefield
The Earthcare Manual – A Permaculture Handbook for Britain and other temperate Climates, Patrick Whitefield
Permaculture – Principles and Pathways beyond Sustainability , David Holmgren
Permaculture: A Designer’s Manual , Bill Mollison & David Holmgren
The Permaculture Garden , Graham Bell
The Permaculture Way: Practical Steps to Create a Self-Sustainable World , Graham Bell
Earth User’s Guide to Permaculture, 2nd edition, Rosemary Morrow
The Woodland Way, A Permaculture Approach to Sustainable Woodland Management, Ben Law
Forest Gardening, Robert Hart
How to make a Forest Garden, Patrick Whitefield
The Transition Handbook, Rob Hopkins

 

 

Weiterführende Informationen:

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