Ganzheitliches Management

“Ganzheitliches Management” gehört  zu den umfassenden und grundlegenden Konzepten und hat seine Begründung in der Systemtheorie. In seiner Gesamtheit adressiert es sowohl ökologische als auch soziale und ökonomische Aspekte und entwickelt Managementstrategien für komplexe Systeme*.

Es können prinzipiell komplexe (inzwischen auch komplex-adaptive) Systeme und komplizierte Systeme unterschieden werden.

Ein kompliziertes System unterliegt einer klaren Kausalität. Ursache und Wirkung sind nachvollziehbar (wenn auch oft schon hochkompliziert, durch die Anzahl der entscheidenden Variablen). Eine Maschine ist ein gutes Beispiel für ein kompliziertes System. Sie ist in der Regel nicht selbstregulierend und einzelne Baugruppen haben dezidierte Funktionen und sind in ihrer Wirkungsweise nachvollziehbar.

Im Gegensatz dazu ist ein komplexes (adaptives) System zum einen selbstregulierend und zum anderen stark nach innen und außen vernetzt. Somit treten in der Regel Wechselwirkungen (oder Feedbacks) auf. Auch sind die direkten Zusammenhänge von Ursache und Wirkung in ihrer Kausalität nicht immer eindeutig festzustellen. Zusätzlich sind die Systeme natürlich noch hochkompliziert, sprich mit einer unüberschaubar großen Zahl von Variablen behaftet.
Typische Beispiele für komplexe Systeme sind natürliche oder soziale Systeme, die durch ihre Vielzahl an Akteuren und Vielfalt der Systemfunktionen nur sehr schwer zu berechnen sind.

Im komplizierten System kann ein rationales, oft lineares und reduktionistisches Management noch erfolgreich sein, wobei wir in der Komplexität natürlicher Systeme regelmäßig scheitern und dann unerwünschte Nebenwirkungen und Kollateralschäden verursachen.

Inzwischen gibt es verschiedene Ansätze für “Ganzheitliches Management” und Einfach Erden hat aus verschiedenen Methoden ein kombiniertes Konzept zusammengestellt. Dabei liegt der methodische Kern im Holistic Management (HM) basierend auf den Pionierarbeiten von Allan Savory und Jody Butterfield (1998).

Ihre Methode erfreut sich -vor allem mit ihrer Anwendung im Weidemanagement- nach Allan Savory´s TED Talk großer Bekanntheit. Ursprünglich entwickelt, um die Verwüstung der Steppen und Graslänger Südafrikas zu verhindern, bietet die grundlegende Methodik des HM noch deutlich mehr Anwendungsmöglichkeiten.

Das von Allan Savory gegründete Savory Institute definiert den HM-Prozess dabei als “Entscheidungsfindungs- und Planungsprozess, der Leute dazu befähigt, natürliche Prozesse zu verstehen und ihnen mit bestimmten Abreitsweisen ermöglicht, Unternehmungen informierter und somit besser in ihren sozialen, ökoligischen und ökonomischen Dimensionen zu beurteilen.” Die natürlichen Prozesse beziehen sich hierbei i.d.R. auf die Weide- und Wiesen-Ökosysteme und deren Bewirtschaftung durch Beweidung. Auf der Seite zur Regenerativen Landwirtschaft, findet sich ein Unterpunkt zum Regenerativen Weidemanagement, indem u.a. das Ganzheitliche Weidemanagement Savory´s im Detail addressiert wird.

Inzwischen wird zumindest das ganzheitliche Weidemanagement in einer wachsenden Zahl von Organisationen und Betrieben diskutiert und in immer mehr Ländern (auch hier in Deutschland) umgesetzt.

Für das Ganzheitliche Management der Projektplanung und Zielentwicklung verbindet Einfach Erden das methodische Vorgehen von Allan Savory und Jody Butterfield mit Ansätzen aus der Unternehmensführung (u.a. nach Claus Steinle) sowie mit Erkenntnissen aus der Nachhaltigkeitsforschung und Sozialpsychologie. Grundsätze aus der klassischen Betriebswirtschaft, erweitert durch einige Prinzipien der BlueEconomy (nach Gunter Pauli), der CircularEconomy (Ken Webster) und der Gemeinwohl-Ökonomie (Christian Felber), ergänzen dabei die Visionsentwicklung für Geschäftsmodelle unter Achtung der Corporate Sustainability.

Weiterführende Literatur & Empfehlungen:

Savory A, Butterfield J. Holistic management: A new framework for decision making. 2nd ed. Washington, D.C: Island Press; 2010.

Steinle C. Ganzheitliches Management: Eine mehrdimensionale Sichtweise integrierter Unternehmungsführung. 1. Aufl. Wiesbaden: Gabler; 2005.

Webster K. The circular economy: A wealth of flows. Second edition. Cowes, Isle of Wight, United Kingdom: Ellen MacArthur Foundation Publishing; 2017.